Der Satellit ist aufgegangen, keine Sternlein mehr (am nächtlichen Himmel sichtbar) prangen

Der Satellit ist aufgegangen, keine Sternlein mehr (am nächtlichen Himmel sichtbar) prangen
„Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar“ dichtete Matthias Claudius 1779 und entlehnte dabei Paul Gerhardts ein Jahrhundert zuvor auf die Melodie von „Innsbruck, ich muss Dich lassen“ gereimten Vers: „Der Tag ist nun vergangen, die güldnen Sternlein prangen am blauen Himmelssaal“. Inzwischen ist das goldene Sternenband längst im Unsichtbaren entschwunden. Am Nachthimmel zieht Elon Musks Satelliten-Karawane ihre Kreise. Die wie an einer Schnur aufgereihten Lichtpunkte überqueren die bis in den Morgengrauen taghell ausgeleuchteten Metropolen der Industrienationen. Auf einer die Licht- und Dunkelheitsphänomene des Planeten anzeigenden Spezialkarte (https://cires.colorado.edu/Artificial-light) erscheinen die Megacitys wie glühende Feuerbälle während zum Beispiel in Afghanistan weiterhin die Schwärze der Nacht regiert.

Das erstmals im Barock protzend zur Schau gestellte Nachtleben gehörte schon immer zum Vorrecht der Vermögenden. Ludwig XIV. illuminierte sein Schloss in Versailles mit 24000 Kerzen. Seit der Elektrifizierung hat sich die Lichtintensität in den Metropolen verzehnfach. Dabei ging es anfangs mit der Abschaffung der Nacht nur allmählich voran. In den in Steyr 1864 während einer Elektrizitäts-Ausstellung beleuchteten Gassen wurde die Beleuchtung am Ende der Schau wieder demontiert. Eine städtische Straßenbeleuchtung wurde in Salzburg 1887, in Innsbruck und Wien 1889 eingeführt. Fünf Jahre später konnte sich sogar das Schafberghotel und das Hotel Peter in St. Wolfgang eine Elektrifizierung leisten. Mit dem kostbaren Gut wußte man aber auch früher sorgsam umzugehen. Irmgard Fischer, geb. 1921 in Atzbach bei Vöcklabruck erinnerte sich: „Es galt als Todsünde, das Licht vor Einbruch der völligen Dunkelheit anzudrehen.“ Hilde Hoferbauer, geb. 1926 in Weibern erklärte: „Das Sparen mit dem elektrischen Strom ist mir eigentlich geblieben. Ich greife nicht zum Lichtschalter, wenn es nicht sein muss.“ (Als das Licht kam. Erinnerungen an die Elektrifizierung, Hrsg. Viktoria Arnold und Michael Mitterauer, Wien, 1986)

Heutzutage sind die Sterne in der Lichterflut der Städte versunken. Die Lichtverschmutzung hat den Zauber der Dunkelheit radikal zerstört. Nur dort, wo weder die Gebäude- und Straßenbeleuchtung, Millionen von Autoscheinwerfern sowie die unablässig aufblinkende Leuchtreklame das nächtliche Funkeln überdecken, kommen wir in den Genuss, die Sternenpracht zu genießen. Rund 200 Milliarden Sonnen gehören zu unserer Galaxie. Wenn wir mit bloßem Auge in den Himmel schauen, sehen wir nur einen Bruchteil davon. Um die 6000 Sterne sind von der Erde aus ohne Teleskop sichtbar. Auf Grund des Lichtsmogs sehen wir jedoch nur noch einen winzigen Bruchteil davon.

Um so ungewöhnlicher, für viele sogar erschreckender wirkt am Abendhimmel das Auftauchen von Elon Musks Satellitenflotte auf den überraschten Beobachter. Musks Firma SpaceX plant ein Netzwerk aus mehr als 40.000 rund 200 Kilo schweren (Wegwerf-) Satelliten. Sie sollen die Erde in einer Höhe zwischen 350 bis 1100 Kilometern umkreisen. Musik investiert viel Geld um weltweit auch in den entlegensten Gebieten eine schnelle Internetverbindung anbieten zu können.Vier Milliarden Menschen sind noch ohne Internet-Zugang. Musk hofft jährliche Einnahmen von bis zu 30 Milliarden US-Dollar zu generieren. Mitte 2020 sollen 500 Satelliten die Erde umkreisen die mit bloßem Auge gut erkennbar sind. Der Unternehmer gibt an, dass seine Flotte nur kurz nach Einbruch der Dämmerung und kurz vor Sonnenaufgang sichtbar sei. Dem widersprechen sogar Hobby-Sterngucker die seine Satelliten bis eine halbe Stunde vor Mitternacht filmen konnten. „Für professionelle Himmelsbeobachter wird das auf jeden Fall ein Problem“, erklärte Mark McCaughrean vom Weltraumforschungs- und Technologiezentrum der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Ihre Beobachtungen werden von den „Starlink“-Satelliten massiv gestört. Die Umkreisungen der Flugkörper ziehen sich als heller Lichtstreifen durch ihre fotografischen Langzeitaufnahmen und beeinträchtigt die wissenschaftliche Arbeit auf das Schwerste. Das Licht der Reflexionen kann auch dazu führen, dass die Sensoren der Kameras falsche Signale erzeugen, machen Forscher aufmerksam. Hinzu kommen Befürchtungen von Radioastronomen, da die Funksignale der Satelliten die Beobachtungen der Wissenschaftler stören könnten. Abgesehen davon umkreisen 700000 Objekte Weltraumschrott neben 2000 weiteren aktiven Satelliten die Erde. Das Musk diesen gefährlichen „space junk“ mit seiner Flotte in absehbarer Zeit vermehrt ist unerträglich. Zum Dilemma kommt dazu, dass neben SpaceX die Firmen OneWeb und Amazon den Aufbau eigener Satelliten-Schwärme vorbereitet. Wenn diese unheilvolle Entwicklung nicht strengstens gesetzlich reguliert wird, schafft es Homo Sapiens Sapiens neben den Weltmeeren auch das Weltall nachhaltig zu verschmutzen.

Die Schönheit des Sternenhimmels zu bewundern ist ein Menschenrecht
Wir alle bestehen aus Sternenstaub. Jedes Atom in unserem Körper ist im Weltall entstanden. Unser Blick in die Unendlichkeit führt zurück zum Ursprung. Eine Technik die diese Sicht versperrt, wird auf Dauer zu schweren spirituellen Verwerfungen führen.